Huhüchen, Ihr Hübschen!
Habe Martin Den-kennt-man in Martin Den-kenn-ich-nicht-mehr umgetauft und aus meinem Leben entrumpelt, bevor er in meinem Herzen Staub ansetzen und Wurzeln schlagen konnte. Is ja eh klar. Wer nur ans Heiraten denkt, wird niemals heiraten. Also zumindest nicht mich.
Um mich auf sonnigere Single-Gedanken zu bringen, habe ich meine Süß-Freundin Anna (die damals meine Küche halb abgefackelt hat) angerufen. “Was kann ich tun, um Idioten-Männer mit depperten Gefühlsschwankungen zu vergessen?”, frage ich sie.
Ihre Antwort folgt zackig: “Komm mit in den E-Garten und lass uns Flunkyball spielen!”
Watt???
Muss in der Mini-Martin-Phase schrecklichst gealtert sein und jegliche Neu-Trends verpasst haben. Hilfe!!
Was, bitte, ist Flunkyball!?
45 Minuten später erahne ich es zumindest. Ich stehe mit Anna und sechs weiteren Freunden im Englischen Garten.
So ein Kapuzenpulli-Typ drückt mir ne volle Flasche Becks Gold in die Hand. Wollte nach Martin je eigentlich nie wieder in meinem Leben Bier trinken. Aber, hey, wer ist schon so pingelig?
Neuer Tag, neues Glück, neues Gluck.
Flunkyball also. Drei Mal werden mir die Spielregeln erklärt, dann check ich sie zwar immer noch nicht, aber egal.
Learning by drinking.
Vier und vier Leute stellen sich gegenüber voneinander auf die Wiese. Abstand zwischen den zwei Mannschaften: ca. 7 Meter. Jeder hat ne Pulle in der Hand und einen Gegenstand. Anna gibt mir ihr Mini-Deo. Zwischen den zwei Mannschaften steht eine leere Cola-Zero-Flasche.
Der erste aus der Mannschaft probiert diese mit seinem Gegenstand umzuwerfen. Trifft er, muss sein Gegenüber aus der anderen Mannschaft losrennen und die Flasche wieder aufstellen. Bis er zurück an seinem Platz ist und Stopp schreit, trinkt die andere Mannschaft ihr Bier auf Ex. So schnell und so viel es geht. Und so heiter weiter.
Nach etwa fünf Minuten hat die erste Mannschaft gewonnen, nämlich dann, wenn alle ihr Bier geleert haben. “Puh, das haut ganz schön rein”, murmelt ein Mädel neben mir.”Nächste Runde”, schreit der Kapuzenpulli-Typ. Ufff.
Saufspiele gab’s ja in meiner, äh, räusper, Jugend, auch schon. Aber so action-reich wie Flunkyball war kein Flaschendrehen.
Nach der zweiten Runde pausiere ich, leg mich auf die Wiese und gucke in den Himmel. Eine Wolke, kein Shit!, verformt sich in eine Herzchen-Form.
Liegt es am Becks Gold oder der noch goldigeren Stimmung?
Wurscht: Das ist ein Zeichen! Der Sommer der Liebe kommt!
Ha, ich sollte wirklich öfter Flunkyball spielen. Man fühlt sich wieder wie 14 – und hat plötzlich wieder Hoffnung. Hoffnung, dass alles gut wird, auch wenn’s mal kompliziert ist. Hoffnung, dass irgendwo da draußen der Richtige wartet. Man muss ihn nur treffen.
Es ist wie mit der leeren Coke-Zero-Flasche: Manchmal geht’s schlimm daneben – und ganz selten, wenn man Glück hat und doch gar nicht damit gerechnet hat, ist ein Volltreffer dabei.
Bussi, Eure Flunkerly

ahhh toller bericht über flunkyball muss man schon sagen. bin absoluuut begeistert
sowas sollte öfter gebloggt werden. nur becks gold?! also das ist ja mal wohl auf keinen fall der favourit
3,4! – Ich möchte nochmal twenty sein und so verkotzt wie damals…
Bin so Schein-Siebzig und war traurigerweise nie ein Cliquenmädel. Ach, die beneide ich noch heute und insbesondere die Flunkerballer – in trauter Gemeinsamkeit die Wiese vollreihern und danach im Unterholz ausrauschen oder besser vorher noch eine ordentliche Vollgastour im überbesetzten Kotzerkfz über die Spießerautobahn Richtung Starnberg.
Das geht mir alles schwer ab. Aber ich hab meinerzeit alles drum gegeben, in diese oder jene Clique reinzukommen, was mir misslang.
So richtigen Unsinn macht man eben nur in versammeltem Trupp.
Kann man/frau drüber richten, wie will – kommt der Mensch in die Jahre, träumt er so unseriös, wie nur junge Leute sein dürfen und immer sein müssen.
Verpasste Gelegenheiten der absoluten Unverschämtheit…
Ja, von so was träumt Ihre Friedhofsblondine Fritzi in Garching – und kein Nachbar von mir könnte sich das ausmalen!
He-he.
Eigentlich wollte ich mich nur empören!
Dieses Krematoriumblondchen hat mich so in Rage gebracht!
Kurz gesagt, ich bin nur ein Kontrolle-Leser, habe Kinder, die Ihre Kolumne regelmäßig lesen und gern beim Essen über jedes Detail reden. Und vorhin muss ich nun lesen, wie eine 70jährige dieses totalst hirnlose Saufextremspiel im Englischen Garten in den Himmel hebt.
Nicht die Spur von erhobenem Zeigefinger. Im Gegenteil – sie hätte gern noch gesehen, dass die Clique sturzbetrunken über die Starnberger Autobahn gerast wäre.
Unfassbar!
Aber dann habe ich über Erziehung und Grenzen der Erziehung nachgedacht. Schick dein Kind in den Sportverein, dann wird es ein sportlich fairer, kommunalbewusster Mensch. Ha, es wird Opfer und elendig missbraucht, und du als Vater erfährst das nie.
Schick dein Kind in die Kirche – ha, es wird Opfer und teuflischst missbraucht, bewixt von anständigen Gottesmenschen, die sich das Geld fürs Bordell sparen und lieber junge Christen hinterrücks besamen.
Diese Skandale der letzten Zeit haben mir persönlich die Augen geöffnet, wie spießig ich in meiner Familie hier den allwissenden Vater abgegeben habe.
Alle Ideale der Vergangenheit sind für alle Ewigkeit versaut.
Und jäh habe ich begriffen, wie ehrlich diese geradezu schamlosen Worte der Garchinger Seniorin gemeint sind.
Lieber über die Stränge reißen – als über die Strenge verscheißen!
Die “verpassten Gelegenheiten der absoluten Unverschämtheit” – wie anständig ist solch ein Flunkyball-Exzess im Vergleich zum sogenannten gehobenen melodischen Alltag eines Regensburger Sängerknaben.
Schrecklich, was unter dem erhobenen Zeigefinger wuchert, brodelt und schmutzt.
Danke, liebe Kimberly, für Ihre unmoralische Geschichte, die solch einen unmoralischen Blogbrief provozierte.
(Ich bin sehr gespannt, was ich morgen beim Essen eventuell zu hören bekomme.)
Ich kann es nicht fassen, dass die AZ inzwischen so tief gesunken ist, einen solchen Dreck wie Kimberley’s Blog zu veröffentlichen. Da versucht jemand verzweifelt, eine unerträgliche Mischung aus Hera Lind, SATC und Evelyn Holst zu fabrizieren. Heraus kommt ein grässlicher Schmarrn, dass einem vor lauter Fremdschämen ganz schlecht wird. Hört endlich auf mit dem Blödsinn!
@Ichfassesnicht: Ich kann es nicht fassen, dass Sie so tief gesunken sind, sich diesen angeblichen Schmarrn dann auch noch durchzulesen und ihn zu kommentieren. Oder war’s am Ende doch die heimliche Neugier, die Sie hierher trieb? Mein Tipp: Es gibt eine Milliarde anderer Internetseiten, auch auf abendzeitung.de finden sich zehntausende andere Artikel. Also einfach weiterklicken. Oder anders formuliert: Lesen und lesen lassen!
Hallo Kai, das ist mal eine interessante Einstellung: was man bis zum Ende durchliest, kann gar nicht grottenschlecht sein
) Jetzt wird die Diskussion doch erst richtig interessant: Wie lange darf man in einem Blog ausgerechnet meiner früher so geliebten AZ Müll schreiben, bis ein Leser das Recht hat, ihn als solchen zu bezeichnen?
Ich vermute mal, dass Sie den Schmarrn (freundlich ausgedrückt) verantworten oder sonst irgendwie involviert sind, anders kann ich mir Ihren Protest nicht erklären. Nichts für ungut: Wir Journalisten haben’s heute tatsächlich nicht leicht…
Der legendäre Marcello Reich-Ranzignitzky monierte vor einigen Dekaden, dass die große Arbeitslosigkeit unter den Deutschlehrern den Untergang der hiesigen Literatur zur Folge haben würde. (Hat sich als richtig erwiesen)
Nun weiß mittlerweile jedermann, dass die deutsche Zeitungslandschaft dramatisch vor sich hinverwüstet.
Journalisten ohne Job sind zu Blogbeitragverfassern, Leserbriefschreibern un d anderen Querularien verurteilt und überschwemmen logischerweise mit Galle und Mistgunst die alten und neuen Medien.
Dass sich Mr. (oder Mrs.) Ichfassessnicht unsere Flunkerly als Ätzopfer ausgesucht hat, unterstreicht auf heitere Art ihre Popularität und Beliebtheit.
Vielleicht sollte der Nichtfasser sein Repertoire erweitern und zusätzlich Ansichtskarten an Herrn Westerwelle schicken.
Flunkerly rockt, Ihr Softeggs!
@MacEyestone: Sehe ich ähnlich. Meistens läuft es ja so: Journalist wird arbeitslos und hackt anschließend als “freier Medienjournalist” frustriert auf fest angestellten Kollegen rum. Ein bisschen asozial.
@Stefan:
Asozial, aber sehr zukunftsträchtig. So entstehen nach den alten und neuen die allerneuesten Medien, d.h. eine Zeitung muss sich nur noch mit den arbeitslosen (logisch rachsüchtigen) Journalisten auseinandersetzen. Kinobesucher sind ab sofort die Film-Gefeuerten, die TV-Quoten werden nur noch von den Funkhaus-Rausgeworfenen gemacht. In die Oper geht nur noch der Opera-jobless. Bücher werden nur noch von Ex-Autoren gekauft.
Bleihaltige Luft. Könnte gewaltig unterhaltsam werden. Das normalerweise ziemlich inaktive Publikum verwandelt sich in ein blutrünstiges Medium.
Tja, eine Entwicklung, die möglicherweise z. B. ein Zeitungshaus dazu zwingt,
alle Gefeuerten und Wegrationalisierten Zeitungsmacher schleunigst um Vergebung zu bitten und über Nacht wieder einzustellen, inklusisve 20 Prozent Gehaltserhöhung.
Remeber: future happens!